Über die Heilbad
Gründung und Entwicklung des Bades
Vielleicht war es tatsächlich ein Werk des Zufalls, dass in den zwei benachbarten Gemeinden des ehemaligen Gebietes um Frývaldov (Freiwaldau) - in Gräfenberg und Dolní Lipová (Niederlindewiese) - Wasserheilanstalten entstanden, die in Zukunft die Namen ihrer Gründer, aber auch dieses gottverlassenen Winkels des zu Österreich gehörenden Schlessiens berühmt machen sollten. Die Namen Vinzenz Priessnitz und Johann Schroth wurden nicht nur in der österreichischen Monarchie, sondern in ganz Europa zu einem Begriff. Zutreffend charakterisierte diesen Zustand der Erfurter Arzt Fr. Bicking, als er einleitend zu seinem Werk über J. Schroth Folgendes geschrieben hat. "Es ist eine bewundernswerte Erscheinung, dass die Natur an einer Stelle zwei Talente erweckten liess, die zwei extreme Wege zur Genesung verfolgen".
Die Anfänge des Bades Lipová sind unabdenkbar mit dem Namen ihres Gründers, des Naturheilpraktikers Johann Schroth eng verbunden. Er ist am 11. Februar 1798 in der Gemeinde Ceská Ves in der Familie des Kleinbauers Melichar Schroth (im Hause Nr. 114) geboren. Johann stammte aus der zweiten Ehe seines Vaters und um einige Jahre später erblickte das Licht der Welt sein Bruder Florian. Im Jahre 1805 starb der Vater und das Familienbauerngut entfiel als Eigentum an Josef Schroth, den Sohn des Bauers Melichar aus der ersten Ehe. Johanns Mutter schloss jedoch bald eine zweite Ehe mit dem Witwer Ignatz Gröger, Bauer aus Dolní Lipová, und zog in Kürze gemeinsam mit ihren Kindern zu ihrem zweiten Ehemann um. Johann besuchte die Trivialschule im damaligen Frývaldov (heute Jeseník) und hier schloss er Freundschaft mit seinem späteren grossen Konkurrenten Vinzenz Priessnitz (1799 - 1851). Gröger hat seinen Stiefsohn Johann sehr liebgewonnen und bestimmte ihn zum Erbe seines Vermögens in Lipová. Da er jedoch einen Sohn aus erster Ehe hatte, ging Johann in die unweit gelegene Gemeinde Adolfovice, wo Grögers Bruder das Fuhrmannsgewerbe betrieb. Nach kurzer Zeit wurde jedoch Johann wieder nach Lipová zurückgerufen, da sein Bruder kränklich und somit für die Bewirtschaftung des Bauernhofes nicht geeignet war. So wurde Johann bereits in seiner Jugend auf dem Bauernhof sein eigener Hausherr. Da er seinen Bauernhof sehr gut bewirtschaften verstand und grosse Erfahrungen bei dem Umgang mit Pferden gewonnen hat, genoss er bald in der weiten Umgebung den Ruf einer in der Heilung von Haustieren erfahrenen Person.
Nach einer gewissen Zeit musste Johann für drei Jahre bei den Kürassieren den Wehrdienst antreten. Sein Stiefvater war jedoch der Aufgabe den Bauernhof zu bewirtschaften nicht gewachsen und so kehrte Johann nach einem Jahr auf den Bauernhof zurück. Kurz nach seiner Rückkehr erreichte ihn jedoch die Nachricht, dass seine Liebe Teresa Priessnitz, die Schwester seines ehemaligen Mitschülers und Freundes Vinzenz, inzwischen geheiratet hat. Schroth vermählte sich jedoch bald nach dieser für ihn schmerzlichen Nachricht und aus seiner glücklichen Ehe enstammten sechs Kinder. Johanns Erfahrungen in der Heilung von Haustieren wurden in der Zeit seines Wehrdienstes bereichert, da er dem Veterinärarzt als Gehilfe bei der Behandlung von Pferden zugeteilt wurde. Diese Erfahrungen, die an der Behandlung von Haustieren mit Erfolg erprobt wurden, begann er im Alter von zwanzig Jahren auch bei kranken Patienten anzuwenden. Gewandt konnte er Knochenbrüche der Gliedmassen durch Anlegen von Schienen einrichten und begann später auch mit der Behandlung durch Packungen und Schwitzen. Im Jahre 1817 wurde er bei landwirtschaftlichen Arbeiten von einen Pferd ins Knie so geschlagen, dass er sich fast mit der Tatsache abgefunden hat, lebenslang ein Krüppel zu bleiben. Den Rat irgendeines geheimnisvollen Mönchen, der die Landschaft durchstreifte, folgend begann Johann sein verletztes Knie zu heilen, indem er mehrmals täglich mit frischem kalten Wasser das Knie gewaschen und nachher auf die Wunde kalte Umschläge angelegt hat. Dies wiederholte er ununterbrochen bis zur vollkommenen Heilung. Nach zehn Tagen verschwand die Geschwulst und allmählich erneuerte sich auch die Beweglichkeit des Knies. Inwieweit jedoch diese Geschichte vom Rat des geheimnisvollen Mönchen auch wahrhaftgetreu ist, ist heute schwer zu beurteilen, da sie in gewissem Masse der Geschichte über die Anfänge der Heilung, die V. Priessnitz verwendet hat, sehr nahekommt. Die Erkenntnis der wohltuenden Wirkung feuchter Wärme war der erste Schritt zu Schroths Heilmethode. Als zweiter Schritt folgte die Anwendung ganzer Packungen und als dritter die Einhaltung einer strengen Diät. Johann ging aus den eigenen Beobachtungen aus, dass mit Heu gefütterte Pferde eine höhere Leistung erbringen als die, die reichlich mit Trinkwasser versorgt werden. Diese Erkenntnisse und der Umstand, dass kranke Tiere das Futter ablehnen, bildeten die Grundlage Schroths Diätsystems. Der junge Heilpraktiker war sich jedoch vollkommen dessen bewust, dass die Anwendung dieser Heilmethoden grosse Risiken in sich verbirgt. Den Kranken, die sich auf ihn um Hilfe wandten, stand er daher am Anfang seiner Tätigkeit nur mit Rat bei ohne irgendwie in die Behandlung einzugreifen. Es stellten sich die ersten Heilerfolge ein, die jedoch das Missfallen insbesondere seines ehemaligen Mitschülers und Freundes V. Priessnitz erweckt haben. Die Kurprospekte aus den Jahren 1850 können als bester Beweis dafür dienen, welch erbitterten Wettbewerbskampf die beiden Naturheilpraktiker unter sich geführt haben. Schroth lehnte zum Beispiel strikt das von Priessnitz empfohlene Trinken von kaltem Wasser ab, insbesondere am morgen. Er lehnte ebenfalls die morgens durchzuführenden Mundspülungen ab und aüsserte sich über die von Priessnitz praktizierten kalten Bäder in dem Sinne, es handle sich "um eine hirnerkrankte Idee".
Die Heilmethode von Schroth war zu ihrer Zeit etwas vollkommen Ungewöhnliches, Unbegreifliches und nach der Meinung mancher Leute auch etwas Gefährliches. Die Heilmethode verlangte vom Patienten einen festen Willen und Selbstverleugnung. Nur so konnte der Patient acht Stunden lang Packungen, abwechselnd trockene Tage und Trinktage und vieles mehr über sich ergehen lassen. Man kann sich daher nicht wundern, dass sich in Lipová in den Anfängen nur solche Patienten der Behandlung unterzogen haben, die nach Äusserungen der zu dieser Zeit bestehenden Schulmedizin als unheilbar erklärt wurden.
Johann Schroth hat sich bemüht mit seinem Verhalten den Patienten ihren Aufenthalt womöglich angenehm zu gestalten und was ihre Lebensweise anbelangt, ging er als Beispiel voran. Selbst ass er sehr wenig, war ein Gegner von Suppen und Saucen. Seine meistgeliebte Speise war ein Stück gedünstetes Rindfleisch mit Gemüse und Brot. Er war ein grosser Liebhaber von Wein, was ihm neben dem Spitznamen "Semmeldoktor" auch den Spitznamen "Weindoktor" eingebracht hat. Seine Feinde und die Gegner Schroths Heilmethode bemühten sich ihn als notorischen Trinker darzustellen, wobei sie auf das Zittern seiner Hände hingewiesen haben. Diese Behauptung kann jedoch nur als Ausdruck des Wettbewerbskampfes und der feindlichen Absichten seiner Gegner betrachtet werden. Johann Schroth war ein Mann stattlicher Figur mit einer ausserordentlichen Kraft und, ähnlich wie V. Priessnitz, war er kein Redner.
Den über das Bad informierenden, aus dem vorigen und diesen Jahrhundert stammenden Prospekten ist zu entnehnen, dass das Bad Lipová im Jahre 1829 gegründet wurde. Diese Behauptung entspricht jedoch nicht der Realität. Das Bemühen die Gründung des Bades womöglich in eine entferntere Vergangenkeit zu verlegen war offensichtlich dadurch motiviert, dass man sich danach gesehnt hat, dem Bad Gräfenberg im Ruhm und Tradition gleichzukommen. Die tatsächlichen Anfänge der Krankenbehandlung sind jedoch um das Jahr 1837 zu suchen, als sich hier Magdalena Bartsch aus Sumperk, die seit Jahren an sogenannter Skrofulose, einer zu diesen Zeiten üblichen Kinderkrankheit leidete, einer Heilkur unterzogen hat. Johann Schroth geriet jedoch bald in Streit mit den Behörden und die Schulmedizin beschuldigte ihn der Fuscherei. Den Äusserungen seiner Schwiegertochter nach haben jedoch Schroths Patienten gegen ihren Heilpraktiker keine beschuldigende Zeugenschaft abgegeben. Erst aufgrund der Aussage eines angeworbenen Spitzels wurde Schroth beschuldigt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Johann liess sich jedoch auch durch diesen Eingriff nicht entmutigen und setzte seine Heiltätigkeit fort. Mit Rücksicht auf diese Tatsache wurde letztendlich im Jahre 1840 ein Kompromis zwischen dem Heilpraktiker aus Lipová und den staatlichen Behörden vereinbart. Schroth erhielt am 5.Mai ein Dekret der Hofkanzlei, Aktennummer 6735, mit dem ihm bewilligt wurde die Heilkuren unter der Bedingung weiter zu praktizieren, dass er die festgelegten Polizeivorschriften beachten wird und dass seine Patienten unter fachärtlicher Aufsicht stehen werden. In den ersten Jahren des Bestehens des Bades war die Anzahl der Patienten keinesfalls gross, so dass der Kurarzt das Bad aus Jeseník aus besuchen konnte. Nach seinem Tod sollte sein Sohn die Behandlung der Patienten in Lipová übernehmen, der jedoch ein erbitterter Gegner der Heilmethode von Schroth war. Nach den Äusserungen Johann Schroths Schwiegertochter begrüsste er angeblich seine neuen Patienten mit den Worten : "Sie wollen also auch diesen Unsinn mitmachen?".
Das Leben von Johann Schroth verstrich ohne bedeutenderen Ereignissen. Er starb am 26. März 1856 an einem unheilbaren Herzleiden. Vor seinem Tod ersuchte ihn sein Sohn Emanuel ihm die mit seiner Heilmethode erworbenen Erkenntnisse und sein Wissen zu übergeben. Sein Vater wies ihn angeblich mit den Worten ab, er solle aufgrund der Beobachtung der Kranken und seines eigenen Urteiles handeln..
Zum Nachfolger und neuen Besitzer des Bades wurde Emanuel Schroth (geboren am 9. April 1832), dem die Behörden die Behandlung der Patienten wiederum unter der Bedingung bewilligt haben, dass er die geltenden Polizeivorschriften befolgen wird und dass seine Patienten unter fachärztlicher Aufsicht stehen werden. Die vorgeschriebene Aufsicht wurde zunächst von August Schilder, später gemeinsam mit Dr. med. Karl Schroth und Dr. med. Nemerath, ab 1895 vollkommen selbständig nur von Karl Schroth ausgeübt. Mit dieser Persönlichkeit muss man sich etwas eingehender befassen. Er wurde am 25. Januar 1865 in Supíkovice als Sohn von Vinzenz Schroth geboren. Obzwar er nur ein sehr entfernter Verwandte der Schroths aus Lipová war, übernahm Emanuel Schroth die Spesen für sein Studium. Nach Abschluss der Grundausbildung (1870 - 1878) studierte Karl am Gymnasium in Vidnava, wo er auch im Jahre 1886 mit Auszeichnung die Reifeprüfung bestanden hat. Im Oktober des gleichen Jahres begann er sein Medizinstudium in Wien. In April 1892 beendete er das Studium und im Mai des gleichen Jahres wurde er zum Doktor der Medizin promoviert. Im Bad Lipová wirkte er bereits seit dem Jahr 1889 bis zu seinem Tod am 7. Dezember 1915
Wenden wir uns jedoch noch Emanuel Schroth zu, der unter den Patienten des Bades sehr beliebt und allgemein als "Papa Schroth" genannt wurde. Die oft allzu drastische Heilmethode wurde etwas gemildert, was sich in einer höheren Zahl der Patienten widerspiegelte. Wurden im Jahre 1838 in Lipová nur 17 Kranke behandelt, so waren es im Jahre 1889 bereits 777 Personen. Zwecks Vergleich lassen Sie uns noch einige weitere statistische Daten über die Anzahl der Patienten erwähnen: Im Jahre 1839 waren es 92 Personen, im Jahre 1840 88 Personen, im Jahre 1841 77 Personen, im Jahre 1846 129 Personen, im Jahre 1850 55 Personen, im Jahre 1856 nur 18 Personen, im Jahre 1860 141 Personen, im Jahre 1873 286 Personen und im Jahre 1881 559 Personen.
Nach dem Tod von Emanuel Schroth am 20. Mai 1890 wurde sein Sohn Rochus Schroth (geboren am 7.Juni 1874 ) zum Erbe des Bades, der sich jedoch bei seinen Patienten nicht mehr der Beliebheit seines Vaters erfreute. Zwischen dem Besitzer des Bades und dem Anstaltsarzt entstanden Meinungsunterschiedlichkeiten, so dass neben dem Bad in Dolní Lipová private Heilanstalten enstanden. Rochus Schroth umwandelte den Familienbesitz in eine Aktiengesellschaft. Er starb am 26. August 1913 und wurde im Familiengrab, neben seinem Vater und Grossvater, am Friedhof in Lipová beigesetzt.
Ende des ersten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts kam ein weiterer Facharzt nach Lipová. Dies war Dr. med. Max Mader, der am 28.November 1871 in Opava (Tropau) geboren war. Das Medizinstudium absolvierte er in Wien und hier wurde er auch im Jahre 1895 zum Doctor medicinae universae (MUDr) promoviert. Fachliche Erfahrungen erwarb er an der dritten Entbindungsklinik bei Professor Braun und wirkte später als Assistent an der Abteilung für Augenkrankheiten bei Professor Breindlsberg im Landespital von Sarajevo. Nachher liess er sich für eine kurze Zeit als praktischer Arzt am Land nieder. Es ist bemerkenswert, dass die ersten Fachwerke von M. Mader gegen die Irrtümer und gegen einige Lehren der damaligen Schulmedizin ausgerichtet waren. Als Beweis dessen sind z.B. die Werke Medizinische Ketzerei über die Homeopathie oder Heilanstalten für Tuberkulosekranke und die Schulmedizin zu erwähnen. Später wirkte er drei Jahre in der Kuranstalt Gesundbraun in Graz. Als er seinen Aufenthaltsort nach Galizien wechselte, begann er sich mit der Heilkur durch Pfasten und Diät befassen. Im Jahre 1909 wechselte er ins Bad Lipová und liess sich hier als Kurarzt nieder. Während seiner langjährigen Praxis in Lipová verfasste und veröffentlichte er eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen über die von Schroth praktizierten Heilmethoden. Aus der Vielzahl seiner Werke sind zum Beispiel die Broschüre Schroths Heilmethode - Behandlung von Nichtausgeheilten (veröffentlicht in Jahre 1937), Tuberkulose und Skrofulose (veröffentlicht im Jahre 1924) oder Wasserheilverfahren und Luftbäder zu erwähnen. Mader war ebenfalls Verfasser zahlreicher Beiträge für eine Reihe von fach- und popularisierender Ärztezeitschriften (zum Beispiel Unser Hausarzt oder Der Naturheilpraktiker). Seine Fachwerke wurden auch in Fremdsprachen übersetzt. Als Spitzenleistung seiner publizistischen Tätigkeit ist das Buch Naturheilkunde aller Krankheiten oder Das neue Buch über Krankheiten zu nennen, das in tschechischer Übersetzung im Jahre 1931 in Prag erschien. In diesem Werk fasste Mader die Ergebnisse seines langjährigen Wirkens im Bad Lipová zusammen und wies auf die Vorzüge der Heilmethode von Schroth hin. Doktor Max Mader wirkte in Lipová bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Nach der Befreiung wurde er mit anderen deutschen Einwohnern des Landes ausgesiedelt und fand ein neues Domizil in Österreich.
Ein interessantes Bild des Bades Lipová vor dem 1. Weltkrieg liefern die statistischen Daten aus dem Jahre 1913. In diesem Jahr weilten hier zur Kur ungefähr 1700 Patienten, die jedoch die Kosten der Kur in voller Höhe selbst aufbringen mussten. Der Preis eines Zimmers in der Heilanstalt bewegte sich zu dieser Zeit, abhängig von der Qualität, im Bereich zwischen 10 bis 30 Kronen pro Woche. Ausserdem musste der Patient noch mit Spesen für die Bedienung, die Prozeduren der Heilkur und mit einer Musikgebühr rechnen. Die Kurtaxe für die gesamte Dauer des Aufenthaltes des Patienten betrug 40 Kronen. Der Gesamtbetrag für die Behandlung bewegte sich zwischen 280 und 300 Kronen, was mit Rücksicht auf die Verhältnisse der damaligen Zeit keinesfalls als ein geringer Betrag zu betrachten ist. Während des 1. Weltkrieges ist natürlich die Zahl der Kurpatienten gesunken, während jedoch in der Zeit zwischen beiden Weltkriegen ein ausserordentliches Interesse an der Heilkur zu verzeichnen war. Neben des bereits erwähnetn Dr. Max Mader wirkte in Lipová ein weiterer Kurarzt Dr med. Karl Schroth jun., Sohn des bereits früher erwähnten Arztes (geboren am 24. Februar 1898). Er wurde, ähnlich wie sein Vater, zum eifrigen Verfechter von Schroths Tradition der Naturheilkunde. Er stand an der Spitze der Badeanstalt bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1946.
Während des 2. Weltkrieges wurde der Betrieb im Bad Lipová eingeschränkt, da die Heilanstalt hier bis zum l. Juni 1944 als Lazarett gedient hat. In den ersten Januartagen des Jahres 1945 versammelten sich hier Tausende von Flüchtlingen aus den ausgebombten deutschen Städten. In dieser Zeit erlitt das Bad die schwersten Schäden (Entwendung der Einrichtung, das Gebäude, in dem sich das gesellschaftliche Leben abgespielt hat, ist abgebrannt.) Ein neues Kapitel in der Geschichte des Bades begann man erst nach der Befreiung des Landes im Jahre 1945 zu schreiben. Die beschädigten und vernachlässigten Objekte des Kurortes wurden im Laufe von nur wenigen Wochen in einen solchen Zustand versetzt, dass bereits am 10 August 1945 neue Patienten aufgenommen werden konnten. Zum ersten Direktor wurde MUDr. Kamenár ernannt, der hier bis zum Jahr 1948 wirkte. Trotz bescheidener Anfänge und verschiedener technischer Schwierigkeiten konnte eine stets ansteigende Anzahl an Patienten verzeichnet werden. Im Jahre 1946 liessen sich hier 486 Patienten behandeln, trotz reduziertem Betrieb des Bades, und erst im Jahre 1948 konnte der ganzjährige Betrieb des Bades mit einer Kapazität der Heilanstalten für 522 Personen aufgenommen werden. Von prinzipieller Bedeutung war für die Weiterentwicklung des Kurortes das Nationalisierungsdekret, erlassen anfangs Januar 1949, auf dessen Grund das Bad verstaatlicht wurde und gleichzeitig wurde auch die Nationalverwaltung aufgehoben. Während eines kurzen Zeitabschnittes vom April 1953 bis Juni 1954 wurde der Besitz des Bades Lipová unter die Verwaltung des Zentralrates der Gewerkschaften übetragen. Im Jahre 1957 wurde das Bad organisatorisch dem Bad in Jeseník angegliedert. Schroths Heilmethode wurde auch in den ersten Nachkriegsjahren ohne wesentlicheren Änderungen beibehalten. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde die Behandlung der Fettleibigkeit zur erstrangigen Indikation. Erst in der ersten Hälfte der sechziger Jahre (1963) wurde Schroths Heilverfahren objektivisiert. Aufgrund vorhergehender Forschungsarbeiten und positiver Ergebnisse wurde im Jahre 1970 die Heilung von Diabetes während der Wirkungsperiode des damaligen Direktors der Heilanstalt MUDR. J. Tálský eingeführt. Eine neue Änderung im Verzeichnis der Indikationen wurde anfangs 1979 registriert, indem die Behandlung von Übergewichtigen als Indikation aufgehoben wurde und das Bad Lipová orientierte sich auf die Heilung von Diabetes als eines der ernsten Risikofaktoren. Übergewicht erschien erneut im Verzeichnis der Indikationen im Jahre 1985 und bleibt auch weiterhin bestehen im Zusammenhang mit dem Risikofaktor der Artherosklerose bis in die heutigen Tage, und zwar mit einer Altersbeschränkung bis zu dem 55. Lebensjahr.
In den letzten Jahren verfügen die Kurobjekte des Bades Lipová über eine Gesamtkapazität von 230 Betten und das Bad wird jährlich von mehr als 3000 Patienten besucht. Bei der Behandlung werden die modernsten Methoden und Geräte (Massagen, Hydrotherapie, Elektrotherapie, Parafinpackungen) verwendet. Das Bad Lipová sorgt somit dafür, dass alljährlich Tausende Patienten ihre verlorene Gesundheit zurückgewinnen.









